Förderung und Herstellung von Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung

Die Rolle der V-Leute im NSU-Komplex

15. Februar 2018 ǀ 18.30 bis 21 Uhr ǀ Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 
Audimax Hörsaal XXII ǀ Universitätsplatz 1 ǀ 06108 Halle
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Spätestens Mitte diesen Jahres wird mit einem Urteil und somit mit dem Abschluss des NSU-Prozesses in München gerechnet. Wahrscheinlich wird es zur Verurteilung der Hauptangeklagten Zschäpe und der weiteren vier Angeklagten kommen, ein großes Medienaufkommen für diese Tage ist jetzt schon sicher. Doch was kommt danach?

Die Bundesanwaltschaft hielt in ihrem Schlussplädoyer im vergangenen Jahr an der These fest, dass der NSU ein isoliertes Trio gewesen sei. Bekanntlich kommen die 12 in Bund und Ländern eingesetzten Untersuchungsausschüsse sowie die Nebenklage zu einem ganz anderen Schluss.
Unzählige Indizien und Ungereimtheiten drängen das Bild eines großen, gut vernetzten Netzwerks mit lokalen UnterstützerInnen gerade zu auf. Innerhalb dieses Netzwerks spielt das System aus V-Leuten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) eine zentrale Rolle. Mittlerweile sprechen NebenklageanwältInnen von 40 bis 45 Spitzeln deutscher Sicherheitsbehörden, die zwischen 1998 und 2011 im näheren und weiteren Umfeld des untergetauchten NSU-Trios positioniert waren. Unter ihnen auch mehrere Spitzenquellen mit weitreichenden Verbindungen in die Szene. Erst vergangenes Jahr im Mai flog ein ehemaliger V-Mann auf: Der frühere Deutschland-Chef des internationalen Nazi-Netzwerks „Blood&Honour“, der von 2002 bis 2010 unter dem Decknamen „Nias“ für das BfV gearbeitet haben soll.

Trotz der regelrechten Einkesselung des Trios durch Spitzel beharrt der Verfassungsschutz bis heute darauf erst mit der Selbstenttarnung 2011 von der Existenz der Terrorgruppe erfahren zu haben. Selbst die weiterhin lückenhafte Aufklärung verfestigt den Eindruck, dass der Verfassungsschutz eine Mitverantwortung bei Entstehung des NSU und dessen rassistischen Mordserie trägt. Mit Abschluss des Prozesses scheint eine Aufklärung noch ungewisser.

Rechtsanwalt Sebastian Scharmer, der im NSU-Verfahren die Tochter und den Sohn des am 4. April 2006 in Dortmund ermordeten Kioskbesitzers Mehmet Kubaşık, vertritt und sich intensiv mit dem V-Leute System auseinandersetzt, wird uns am 15.02 einen Überblick über das „Netzwerk NSU“ geben. Mit anschließendem Raum für Fragen und Diskussion.

Gefördert wird die Veranstaltung vom Alv Alternatives Vorlesungsverzeichnis Halle und DieLinkeHalle

PS: Beim Vortrag wird es die Möglichkeit geben die neu aufgelegte Anklageschrift des Tribunal 'NSU-Komplex-auflösen' gegen eine Spende von 2 Euro zu bekommen!:)

Veranstalter*in: NSU-Komplex Auflösen Halle

Wir sind eine Gruppe von Menschen in Halle, welche aus dem 'Tribunal NSU-Komplex auflösen' hervorgegangen ist. Unser Ziel ist es die wichtige Arbeit des Tribunals fortzuführen: Daher wollen wir hier in Halle die Aufklärung über den NSU-Komplex stärken, die Perspektive der Opfer von rechtem Terror in den Mittelpunkt rücken und für eine öffentliche Erinnerungskultur eintreten.

Ausschlussklausel:
Die Veranstalter*Innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


Letzte Änderung: 05.12.2018 - Ansprechpartner:

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